Samstag, 13. Februar 2016

Von Thailand nach Myanmar

Fast 12 Std.wird die Fahrt dauern. Der Schaffner hat schon begonnen die Betten zu bauen. Ein wirklich interessantes System, bei dem die unteren Sitze zu einer Liege zusammengeschoben werden, die obere Liege wird ausgeklappt. Eine dünne Matratze wird frisch bezogen und der Sichtvorhang aufgehangen. Ich bin gespannt, wie ich schlafen werde. Gerade leise ist der Zug nicht....
Der Abschied von der Insel ist mir schwergefallen. Es war so ein geschützter Rahmen, alles schon so vertraut....und auf jeden Fall eine gute Entscheidung, an diesem Ort und auf diese Weise meine Reise zu beginnen.
Dann heute morgen erst einmal eine abenteuerliche Jeeptour über die Berge. Die Wellenhöhe hätte einen Bootsverkehr wieder zugelassen, aber der Motor des Bootes sei kaputt, heisst es. Zum Glück sind wir genügend Reisewillige, so dass der Preis für die unfreiwillige Dschungeltour ok ist. Wirklich unglaublich, welches Geschick der Fahrer beweisen muss um diese steilen, ausgefurchten Feldwege zu passieren, die sich in der Regenzeit vermutlich in reißende Bäche verwandeln.
Das Küstenstädtchen, wo meine Fähre abfährt, ist das krasse Gegenteil zu meinem beschaulich chilligen Resort. Quirlig, in schreienden Farben und voller Touristen. Am späten nachmittag dann wieder ein ganz anderes Bild in der Stadt, in der mein Zug losfährt. Am Bahnhof tummeln sich einige Backpacker, ansonsten gehört die Stadt den Bewohnern. Überall diese fremden, unleserlichen Schriftzeichen. Keine englische Übersetzung auf den Werbeschildern, keine Reisebüros, die die torristischen Ausflüge anbieten. Stattdessen ein Markt an einer der Haupstrassen, bei dem Essen in allen Variationen angeboten wird. Normalerweise bin ich ja recht mutig, aber Durchfall im Nachtzug, das will ich auf keinen Fall riskieren und beschränke mich auf frische Ananas und einen Weck aus dem Supermarkt.
Ob es so auch in Myanmar sein wird, diesem touristisch noch nicht so stark erschlossenen Land?
Was mich gerade dorthin gezogen hat weiß ich selbst nicht so genau und hatte auch zuhause gar nicht wirklich die Zeit mich damit zu beschäftigen. Als ich jetzt ein bißchwn recherchiere, stelle ich fest, dass ich zu einem historischen Zeitpunkt in dieses Land reise. Seit 1. Februar, also noch keine zwei Wochen, ist das erste demokratisch gewählte Parlament an der Regierung. Fast demokratsch- 25% derSitze haben sich die Militärs per Verfasung gesichert. Lange Zeit hat die Militärregierung mit harter Hand einen Sozialismus praktiziert und dabei das Land isoliert und in den Ruin getrieben. Der Wahlsieg der demokratischen Bewegung wurde 1990 nicht anerkannt und deren Ikone, Aung San Suu Kyi fünf Jahre später unter Hausarrest gestellt, der dann 15 Jahre andauerte. Erst seit 2010 gab es Reformen, und bei einer Nachwahl 2012 wurde Aung San Suu Kyi ins Parlament gewählt. Im November 2015 gewann ihre Partei dann haushoch die Wahlen, die dieses Mal auch anerkannt wurden. Die Zeit zwischen Wahlen und Regierungsübernahme haben die Militärs dann noch gut genutzt um verschiedene Gesetze zu ihren Gunsten zu verabschieden und sich die Taschen voll zu machen. Keine leichte Aufgabe für das neue Parlament, in dem die Militärs ja immer noch sitzen. Zumal das Land ein Vielvölkerstaat ist, in dem es schon immer ethnische Auseinandersetzungen gab. Wer weiß, was passiert, wenn die erste Euphorie der neuen Freiheit verpufft und kein gemeinsamer Feind mehr zu bekämpfen ist.....
Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt. Einen vorher- nachher Vergleich habe ich nicht, aber zwei Romane, die vor dem Beginn der Reformen spielen, gewähren mir zumindest einen kleinen Einblick.
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Der Schaffner im Zug und Bilder der königlichen Familie in Bahnhof von Bankok

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