28 Std liegen zwischen meinem Aufbruch in Bamboo hut und meiner Ankunft im Thalwin Guesthouse in yangon. Zum ersten Mal treffe ich auch ältere Reisende. Es herrscht eine sehr familiäre Athmosphäre und mein Vierbettzimmer ist sehr geräumig und hell. Das Gästehaus liegt etwas außerhalb an dem großen Inle lake. Mit seinem kleinen Garten ist es eine richtige kleine Oase. Am ersten abend reicht es nur noch zu einem kleinen Spaziergang am See, vorbei an dem "Arresthaus" von Aung San Suu Kyi, von dem man aber lediglich ein großes Metalltor mit dem Emblem ihrer Partei sieht. Das abenteuerlichste an diesem Ausflug ist das Überqueren der 6spurigen Strasse. Zum Glück gibt es eine steinerne Abtrennung in der Mitte und ich kämpfe mich in zwei Abschnitten durch die unbeirrt rasenden Autos. Auf dem Rückweg ist es bereits dunkel und ich überlege, wie ich das wohl hinbekomme. Erfreut entdecke ich einen Zebrastreifen- Problem gelöst! Allerdings nur in den Gedanken einer Deutschen. Niemand interessiert sich hier nur annähernd für die weissen Streifen! Es gibt zwei Möglichkeiten: Warten bis eine ganze Horde zusammenkommt und es gemeinsam wagt....oder sich von Spur zu Spur durchkämpfen, was aber eher im Hellen zu empfehlen ist.
Am nächsten Tag schaffe ich es sogar zum Sonnenaufgang an der berühmten Shwedagon Pagode zu sein. Eine beeindruckende Anlage. Überall glitzert es golden, Buddhastatuen in allen Größen und Variationen, die Dimensionen sind wirklich gigantisch! Zu so früher Stunde sind überwiegend die Einheimischen unterwegs und es wird fleißig gebetet und geopfert. Auch ich hatte mir noch vor dem Eingang ein paar Blumen aufschwätzen lassen. An beiden Seiten der riesigen Treppen, nur einem von 4 Zugängen, befinden sich zahlreichen Andenkenstände, die neben Nippes auch Blumen und Räucherstäbchen verkaufen. Obwohl Buddha kein Gott und der Buddhismus eigentlich keine Religion ist, emfinde ich den "Personenkult" sehr ausgeprägt. Ich tue mir eher schwer mit dieser Form der Verehrung und stelle meine Blumen dann zu einem liegenden Buddha, der einen sehr entspannten Eindruck macht! Aber ich bin inspiriert mich auch mit dem Thema Buddhismus ein bisschen mehr zu beschäftigen. Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich mir mein afrikanisches Tuch als langen Rock um die Hüften geschlungen habe. Longys (lange Röcke) sind in Myanmar die traditionelle Kleidung bei beiden Geschlechtern. Die Männer tragen kariert, die Frauen die verschiedensten Farben. Heute ist Feiertag - Union day, der Tag der Einheit. Da sind wohl ohnehin alle noch ein bisschen schicker, aber auch im Alltag ist die traditionelle Mode noch stark vertreten. Nur bei den Jüngeren sieht man ab und zu Jeans.
Es wird Zeit fürs Frühstück und ich beschließe die Wirkung des "Straßenessens"auf meinen Magen zu testen. Schließlich habe ich ein Guesthaus mit genügend Toiletten im Hintergrund und außerdem gelesen, dass die Gemüsesuppe besonders morgens, wenn frisch gekocht, für Europäer gut verträglich ist. Am gewöhnungsbedürftigsten, sind die kleinen Plastiktische und Stühle, die es bei uns nur in der Kinderecke gibt!
Danach steige ich in den kleinen Bus, der gerade bereitsteht. Der Fahrer nickt eifrig, als ich "downtown?" Frage- das ich später ganz woanders lande brauche ich sicher nicht extra zu erwähnen, oder?
Als nächstes steigt eine junge Frau ein, strahlt mich an, wechselt ein paar gebrochene Worte in Englisch mit mir, bezahlt meine Fahrkarte und steigt wieder aus....Das bleibt nicht die einzige Begegnung dieser Art!
Ich hatte bereits im Reiseführer gelesen, dass die Burmesen sehr freundlich seien, aber mit einer solchen Herzlichkeit hatte ich nicht gerechnet. Häufig werde ich angesprochen, wo ich denn herkäme, Jugendliche wollen ein Selfie mit mir, und die vielen, die kein Englisch sprechen, versuchen mit allen Mitteln mir weiterzuhelfen wenn ich eine Frage habe. Will ich für eine grössere Hilfeleistung ein Trinkgeld geben, wehren sie sich vehement und Tee oder kleine Snacks am Marktstand darf ich meist nicht bezahlen, wenn ich vorher mit Händen und Füssen kommuniziert habe. Ich habe mich noch nie als Tourist so willkommen gefühlt, aber ohne dieses Gefühl, "die wollen alle bloß mein Geld". Ich verliere sogar ein wenig die Scheu Fotos zu machen.
Am Sonntag mache ich mit einer Zimmergenossin aus der Schweiz einen Ausflug in den Park an einem größeren See. Es ist ein richtiges Idyll, während rundherum trotz Sonntag der Verkehr tobt. Auf einem großen drachenartigen goldenen Schiff wird abends ein traditionelles Showprogramm angeboten. Wir dürfen auf Nachfrage auch nur für ein Getränk eintreten und sitzen ganz alleine in dem riesigen festlichen Saal- Gesang und Puppenspiel inklusive.....
Yangon ist wie alle Städte der 3. Welt voller Gegensätze. Armut und tradtionelle Lebensweisen werden mit extremen Auswüchsen des modernen Kaptalismus konfrontiert. Ärmliche Hütten und Straßenstände stehen neben glitzerndenHochhäusern und zwischendrin noch ein paar übriggebliebene Gebäude aus der Kolonialzeit, mal aufwedig restauriert, mal völlig verkommen. Nach der jahrzehntelangen Isolation drängen nun Investoren aus allen möglichen Ländern ins Land. Verkehrsstaus und Luftverschmutzung sind die täglichen Begleiter, der Zustand der Fahrzeuge allerdings weit besser als in Uganda. Es sind überwiegend Taxen, die das Straßenbild prägen. Motorroller gibt es fast keine. Es heißt, von einem Motorroller aus, wäre einmal ein Anschlag auf den Präsidenten verübt worden, seither wären Motorroller in Yangon verboten! Davon gibt es in Mandalay, wo ich inzwischen gelandet bin, umso mehr. Hier fühle ich mich wie in Uganda, überall warten die Rollertaxis auf Kundschaft- allerdings weniger aufdringlich und sogar mit Helm, der logischerweise allerdings nie passt!
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| Essen auf Kinderstühlchen |
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| In den Pagoden wird fleißig gebetet und geopfert |
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| Zum Union day gab es ein Plakat mit den verschiedenen Volksgruppen am Rathaus |
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| 50% der Männer kauen die Betelnuss, spucken den braunen Saft überall hin und bekommen braune Zungen und Zähne. Das musste ich natürlich auch ausprobieren- ziemlich eklig! |
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| Valentinstag in einem modernen Einkaufszentrum.... |
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| ...und traditionell am Sonntag nachmittag im Park |
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| Lame in seinem IT Shop-mein Ansprechpartner bei tablet Problemen |
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| "Extravorstellung" im schwimmenden Restaurant |
Berichte aus einer fernen Welt, sehr interessant geschrieben. In Gedanken erlebte ich das mit, so wie Du das schreibt. Klasse!
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